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Vorwort

Liebe Braunviehzüchter,

Olivier Bulot, Braunvieh-Zuchtleiter in Frankreich, kam schnell auf den Punkt: »Es sind unsere Züchter selbst, die stark für ihre Rasse werben und immer neue Landwirte für die braune Kuh begeistern«, antwortete er auf meine Frage, warum die kleine Braunviehpopulation in Frankreich jedes Jahr Zuwächse verzeichnen kann.

Josef Berchtold
Als Bulot einige Wochen später den vereinbarten Artikel über Braunvieh in Frankreich lieferte, fiel mir auf, dass er oft das Engagement der Züchter hervorhob, aber kaum das des Zuchtverbandes BGS, bei dem er Zuchtleiter ist. »BGS sind die Züchter und die Züchter sind BGS« antwortete er etwas verwundert auf meine Nachfrage. Das zeigt, wie stark sich die Züchter in Frankreich nicht nur mit ihrer Rasse, sondern auch mit ihrer Organisation identifizieren. Und wie stark sich Bulot als ›einer von ihnen‹ versteht.
 
Der Entwicklung des Braunviehs in Frankreich widmen wir in diesem Heft vier Seiten. Warum das für gerade einmal 18 000 Kühe? Zum einen nimmt die Population stabil zu, alle drei Jahre um etwa zehn Prozent. Zum anderen sprechen die Züchter mit einer Selbstverständlichkeit für ihre Rasse, wie man es sich auch in anderen Regionen wünscht.
 
»Wenn sich eure Züchter so stark fürs Braunvieh einsetzen, dann sind sie wohl sehr zufrieden damit«, sagte ich zu Bulot. Spontan antwortet er »Natürlich, sie haben die Rasse mit der höchsten Lebensleistung, dem höchsten Lebensalter, den härtesten Klauen, den leichtesten Geburten, dem besten Eiweiß, der besten Hitzresistenz, wenig Labmagenverlagerungen, einer guten Eutergesundheit und einer überragenden Milchqualität mit besten Käseeigenschaften!« Wer will da noch widersprechen?
 
Apropos Käseeigenschaften: Immer wieder sagen Bauern, dass die gute Kappa-Kasein-Eigenschaft ihrer Braunviehmilch nicht bezahlt wird. Bei Genossenschaftsmolkereien stimmt das nicht. Wenn dort überwiegend Braunviehmilch verarbeitet wird, profitieren alle Mitgliedsbetriebe von der höheren Wertschöpfung durch die Kappa-Kasein-B-reiche Milch. ›Alle‹ Betriebe heißt aber, dass auch die Betriebe mit viel Kappa-Kasein-A-Milch dank der guten Käsemilch ihrer Kollegen einen höheren Milchpreis erzielen. Wenn sich das Kappa-Kasein – wodurch auch immer – von ›B‹ nach ›A‹ verschiebt, so geht das zulasten aller Bauern.
 
Den Themen ›Milchqualität‹ und ›Käseeigenschaften‹ widmen wir zwei Artikel. Die Bio-Schaukäserei Wiggensbach möchte gute Qualität, etwa niedrige Zellzahlen und Kappa-Kasein-B, künftig stärker honorieren. Peter Zischg berichtet von Arbeiten an der Universität Padua, deren Ergebnis ein sehr preiswerter Massentest auf die Gerinnungseigenschaften sein soll.
 
Ob wir die französische Begeisterung in alle Gebiete tragen können? Und ob wir es schaffen, gute Käsemilch einmal so zu bezahlen, wie sie es verdient? ›Oui, nous pouvons‹ würden die Franzosen sagen. ›Yes, we can‹ hieße es auf ›neudeutsch‹.
 
Josef Berchtold
Redakteur Rinderzucht BRAUNVIEH
 

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