Vorwort
Liebe Fleckviehzüchter,
vor Kurzem ist der Weltkongress für angewandte Genetik in der Tierproduktion in Leipzig zu Ende gegangen. Neben der allseits gelobten hervorragenden Arbeit des deutschen Organisationskomitees, der rekordverdächtigen Teilnehmerzahl mit fast 1400 Beteiligten aus 61 Ländern, und dem Hauptsponsoring durch unsere deutschen Zucht- und Besamungsorganisationen, sind inhaltlich zwei wichtige Botschaften hängen geblieben – die Genomische Selektion ist weltweit im Kommen, aber der Umgang mit Patenten wird sehr verschieden gehandhabt.
Franz Xaver Stürzer |
Wie weit sind wir beim Fleckvieh mit diesem neuen Werkzeug? Wann geht‘s los? Sind die Interessen von uns Züchtern ausreichend berücksichtigt? Das sind nur einige der häufigen Fragen. Der Fahrplan zur Routine nimmt konkrete Formen an. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass es gelungen ist, am sehr effizienten gemeinsamen Vorgehen in Deutschland und Österreich festzuhalten: Die komplette Logistik wird über zwei Labore und zwei Datenbanken laufen und die bewährten Entwicklungsteams in Wien, Stuttgart und Grub sind straff dabei, bis Jahresende die genomischen Zuchtwerte für alle Merkmale verfügbar zu machen.
Im Herbst stehen Testläufe mit jungen Selektionskandidaten für Logistikwege, Datentransfer und Zuchtwertschätzung an, und voraussichtlich ab Dezember 2010 können Typisierungen über die Zuchtverbände eingesandt werden. Dabei streben wir im Sinne einer aktiven Rolle der Züchter ein weitgehend offenes System an. Zum Start der Routine ab Anfang 2011 werden Stierkälber und Jungstiere Vorrang vor weiblichen Tieren bekommen.
Apropos Patente: Ich möchte die Vorbehalte von Prof. Kalm unterstreichen. Er sieht Gefahren für die Zuchtpraxis und kritisiert vor allem die Strategie von Agrarkonzernen, die sich jede kleine Leistungsprüfung patentieren lassen wollen. Was wir dringend brauchen, ist eine klare Formulierung der EU-Biopatent-Richtlinie, damit landwirtschaftliche Nutztiere und Rassen nicht patentierbar sind.
Da ist unsere Bundesregierung im Verzug; sie muss endlich die Verpflichtung aus dem Koalitionsvertrag einlösen. Wir Züchter dürfen uns die Entscheidungsfreiheit nicht durch Patente einschränken lassen!
Erstmals seit Einführung hat der Züchter¬stammtisch ›Hautnah dran‹ etwas abseits vom klassischen Fleckvieh-Stammgebiet im Münsterland stattgefunden. Die Reportagen ab Seite 7 enthalten interessante Meinungen und Sichtweisen zur züchterischen Ausrichtung. Ein klares Credo: Milchleistung ja, aber nicht auf Kosten von Bemuskelung und Fitness. Also: Wir müssen das Zuchtziel der Doppelnutzung konsequent im Visier behalten (auch mit Blick auf die guten Nutzkälberpreise).
Auf ein kleines Jubiläum möchte ich abschließend hinweisen: Die internationale ›Schau im Heft‹ wird zum 10. Mal ausgeschrieben. Wir alle sind aufgerufen, die schönsten Fleckviehkühe 2010 aus den vorausgewählten Fotos zu küren!
Ich wünsche Ihnen dabei und beim Lesen der interessanten Beiträge im Heft viel Spaß. Ich werde im September die deutschen Farben auf dem Welt-Fleckvieh-Kongress in Melbourne/Australien mit vertreten und dort unsere Visitenkarte für die Durchführung im September 2012 abgeben.
In diesem Sinne
Ihr Franz X. Stürzer
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzucht- und Besamungsorganisationen



